Hormonelle Verhütungsmittel sind Präparate, die synthetische Hormone enthalten und den natürlichen Menstruationszyklus der Frau beeinflussen. Sie wirken hauptsächlich durch die Unterdrückung des Eisprungs, die Verdickung des Gebärmutterhalsschleims und die Veränderung der Gebärmutterschleimhaut. Diese dreifache Wirkungsweise macht hormonelle Verhütungsmittel zu einer der sichersten Methoden der Empfängnisverhütung.
Die Antibabypille ist das am häufigsten verwendete hormonelle Verhütungsmittel. Kombinationspillen enthalten sowohl Östrogen als auch Gestagen, während Minipillen nur Gestagen enthalten. Kombinationspillen werden meist in einem 21-Tage-Zyklus mit einer 7-tägigen Pause eingenommen, während Minipillen täglich ohne Unterbrechung genommen werden müssen.
In Deutschland sind verschiedene Antibabypillen erhältlich, die sich in ihrer Hormonzusammensetzung unterscheiden. Zu den bekannten Präparaten gehören:
Der Verhütungsring wird einmal monatlich in die Scheide eingeführt und gibt kontinuierlich Hormone ab. Das Verhütungspflaster wird wöchentlich auf die Haut geklebt. Beide Methoden bieten eine bequeme Alternative zur täglichen Pilleneinnahme und haben eine ähnlich hohe Wirksamkeit wie die Antibabypille.
Die Dreimonatsspritze enthält ein lang wirksames Gestagen und wird alle drei Monate vom Arzt verabreicht. Die Hormonspirale wird in die Gebärmutter eingesetzt und gibt über mehrere Jahre kontinuierlich Hormone ab. Beide Methoden eignen sich besonders für Frauen, die eine langfristige Verhütung ohne tägliche Anwendung wünschen.
Hormonelle Verhütungsmittel gehören bei korrekter Anwendung zu den sichersten Verhütungsmethoden mit einem Pearl-Index von 0,1 bis 0,9. Die Wirksamkeit hängt von der regelmäßigen und korrekten Anwendung ab. Bei Erbrechen, Durchfall oder der Einnahme bestimmter Medikamente kann die Wirksamkeit beeinträchtigt werden.
Mögliche Nebenwirkungen können Kopfschmerzen, Übelkeit, Brustspannen oder Stimmungsveränderungen sein. Kontraindikationen umfassen Thromboserisiko, bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lebererkrankungen und hormonabhängige Tumore. Eine ärztliche Beratung und regelmäßige Kontrollen sind daher unerlässlich.
Kondome für Männer sind die bekannteste mechanische Verhütungsmethode und bestehen meist aus Latex. Für Menschen mit Latexallergie gibt es Alternativen aus Polyurethan oder Polyisopren. Kondome sind in verschiedenen Größen, Stärken und mit unterschiedlichen Oberflächenstrukturen erhältlich. Sie bieten nicht nur Verhütungsschutz, sondern schützen auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
Das Frauenkondom ist ein Verhütungsmittel, das von der Frau in die Scheide eingeführt wird. Es besteht aus dünnem Kunststoff und hat an beiden Enden flexible Ringe. Das Femidom kann bereits mehrere Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden und gibt der Frau die Kontrolle über die Verhütung.
Das Diaphragma ist eine flexible Silikonkappe, die vor dem Geschlechtsverkehr über den Muttermund gelegt wird. Die Portiokappe ist kleiner und wird direkt auf den Gebärmutterhals aufgesetzt. Beide müssen individuell angepasst werden und sollten zusammen mit spermiziden Cremes verwendet werden, um die Wirksamkeit zu erhöhen.
Spermizide enthalten chemische Wirkstoffe, die Spermien abtöten oder bewegungsunfähig machen. Sie werden meist in Kombination mit mechanischen Verhütungsmitteln wie Diaphragma oder Portiokappe verwendet. Als alleinige Verhütungsmethode sind sie weniger sicher und daher nicht zu empfehlen.
Die Sicherheit von Barriere-Verhütungsmethoden hängt stark von der korrekten Anwendung ab. Der Pearl-Index liegt bei Kondomen zwischen 2 und 12, je nach Anwendererfahrung. Eine sachgemäße Lagerung, das Überprüfen des Verfallsdatums und die korrekte Handhabung sind entscheidend für die Wirksamkeit.
Vorteile der mechanischen Verhütung sind die sofortige Wirksamkeit, keine hormonellen Nebenwirkungen und der Schutz vor Geschlechtskrankheiten. Nachteile können eine mögliche Unterbrechung des Liebesspiels, allergische Reaktionen oder eine geringere Spontaneität sein. Die Methoden erfordern eine gewisse Übung und Planung.
Ein wichtiger Vorteil von Barriere-Verhütungsmethoden ist der Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen wie HIV, Chlamydien, Gonorrhoe und Syphilis. Kondome bieten den besten Schutz vor STI und sollten auch zusätzlich zu anderen Verhütungsmethoden verwendet werden, wenn ein Infektionsrisiko besteht. Regelmäßige Tests und offene Kommunikation mit dem Partner sind wichtige Ergänzungen zum Barriereschutz.
Intrauterinpessare, auch als Spiralen bekannt, gehören zu den sichersten und effektivsten Langzeitverhütungsmethoden. Diese kleinen T-förmigen Implantate werden direkt in die Gebärmutter eingesetzt und bieten je nach Typ einen zuverlässigen Schutz für mehrere Jahre.
Die Kupferspirale wirkt durch die kontinuierliche Abgabe von Kupferionen, die Spermien abtöten und die Einnistung einer befruchteten Eizelle verhindern. Mit einer Haltbarkeit von bis zu 10 Jahren bietet sie eine hormonfreie Verhütungsoption mit einer Sicherheit von über 99%.
Hormonspiralen wie Mirena, Jaydess und Kyleena geben kontinuierlich das Hormon Levonorgestrel ab. Sie wirken für 3-6 Jahre und können zusätzlich Menstruationsbeschwerden lindern oder die Periode ganz zum Erliegen bringen.
Das Einsetzen und Entfernen erfolgt ausschließlich durch einen Gynäkologen in der Praxis. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten und wird idealerweise während der Menstruation durchgeführt.
Spiralen eignen sich besonders für Frauen, die eine langfristige Verhütung wünschen. Mögliche Nebenwirkungen umfassen:
Die Kosten von 200-400 Euro werden teilweise von gesetzlichen Krankenkassen übernommen, besonders bei Frauen unter 22 Jahren.
Natürliche Familienplanung (NFP) basiert auf der Beobachtung körpereigener Fruchtbarkeitssignale und ermöglicht sowohl Verhütung als auch Kinderwunscherfüllung ohne hormonelle Eingriffe.
Die Messung der Basaltemperatur jeden Morgen vor dem Aufstehen zeigt den Eisprung an, da die Körpertemperatur nach dem Eisprung um 0,2-0,5°C ansteigt. Diese Methode erfordert Disziplin und regelmäßige Messzeiten.
Diese Kombination aus Temperaturmessung und Zervixschleimbeobachtung gilt als zuverlässigste NFP-Methode. Der Zervixschleim verändert sich während des Zyklus: Er wird vor dem Eisprung durchsichtig, spinnbar und vermehrt sich.
Ovulationstests erkennen den LH-Anstieg vor dem Eisprung, während Fertilitätsmonitore verschiedene Hormone messen. Moderne Apps und digitale Thermometer erleichtern die Dokumentation erheblich:
Bei korrekter Anwendung erreicht NFP eine Sicherheit von 98-99%. Die Methode eignet sich besonders für disziplinierte Frauen mit regelmäßigem Lebensstil und stabilem Zyklus.
Die Notfallverhütung bietet Frauen eine wichtige Option nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Verhütungspannen. In deutschen Apotheken sind zwei Präparate rezeptfrei erhältlich: ellaOne mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat und PiDaNa mit Levonorgestrel. Beide Medikamente verzögern oder verhindern den Eisprung und können so eine ungewollte Schwangerschaft verhindern.
PiDaNa ist bis zu 72 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr wirksam, während ellaOne ein erweitertes Zeitfenster von bis zu 120 Stunden bietet. Die Wirksamkeit nimmt jedoch mit der Zeit ab, weshalb eine möglichst frühe Einnahme empfohlen wird. Als Alternative zur Pille danach kann auch eine Kupferspirale bis zu fünf Tage nach dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden.
Mögliche Nebenwirkungen umfassen:
Eine ausführliche Beratung in der Apotheke ist essentiell, um die richtige Wahl zu treffen und über Wechselwirkungen aufzuklären.
Für Paare mit abgeschlossener Familienplanung stellt die Sterilisation eine dauerhafte Verhütungslösung dar. Bei Männern erfolgt die Vasektomie durch Durchtrennung der Samenleiter, während bei Frauen die Eileiter verschlossen oder entfernt werden. Beide Eingriffe gelten als sehr sichere Verhütungsmethoden mit einem Pearl-Index nahe null.
Vor dem Eingriff ist eine ausführliche Aufklärung und Bedenkzeit gesetzlich vorgeschrieben. Die Kosten variieren je nach Verfahren:
Eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse erfolgt nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen. Die Reversibilität ist zwar möglich, aber aufwendig und nicht immer erfolgreich. Als Alternative bieten sich Langzeitmethoden wie die Hormonspirale oder das Verhütungsimplantat an.