Fettsucht, medizinisch als Adipositas bezeichnet, ist eine chronische Erkrankung, die durch eine übermäßige Ansammlung von Körperfett charakterisiert ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Adipositas anhand des Body-Mass-Index (BMI), der das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße darstellt.
In Deutschland sind etwa 25% der Erwachsenen adipös, wobei die Prävalenz in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Besonders alarmierend ist die Zunahme bei Kindern und Jugendlichen, wo bereits 15% der 3- bis 17-Jährigen von Übergewicht betroffen sind.
Adipositas ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern erhöht das Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Schlafapnoe und bestimmte Krebsarten erheblich. Die Lebenserwartung kann bei schwerer Adipositas um bis zu 10 Jahre verkürzt werden.
Die Entstehung von Adipositas ist multifaktoriell und resultiert aus einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Ursachen. Ein grundlegendes Verständnis dieser Faktoren ist entscheidend für eine erfolgreiche Therapie und Prävention.
Genetische Veranlagung spielt eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung von Adipositas. Studien zeigen, dass 40-70% der Gewichtsvariation genetisch bedingt sind. Bestimmte Genvarianten beeinflussen den Stoffwechsel, das Sättigungsgefühl und die Fettverteilung im Körper.
Der moderne Lebensstil trägt maßgeblich zur Adipositas-Epidemie bei. Eine kalorienreiche Ernährung mit verarbeiteten Lebensmitteln, großen Portionen und zuckerreichen Getränken kombiniert mit Bewegungsmangel führt zu einer positiven Energiebilanz. Besonders problematisch sind sitzende Tätigkeiten und der Mangel an körperlicher Aktivität im Alltag.
In Deutschland stehen verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente zur medikamentösen Behandlung von Adipositas zur Verfügung. Diese Arzneimittel können bei entsprechender medizinischer Indikation eine wichtige Unterstützung bei der Gewichtsreduktion darstellen.
Zu den zugelassenen Medikamenten gehören Orlistat (bekannt unter den Markennamen Xenical und in niedriger Dosierung als Alli), Liraglutid (Saxenda) sowie Kombinationspräparate aus Naltrexon und Bupropion. Orlistat hemmt die Fettaufnahme im Darm, während Liraglutid als GLP-1-Rezeptoragonist das Sättigungsgefühl verstärkt und die Magenentleerung verlangsamt.
Diese Medikamente werden in der Regel bei einem BMI ab 30 kg/m² oder ab 27 kg/m² bei Vorliegen von Begleiterkrankungen verschrieben. Die Behandlung sollte stets in ein umfassendes Therapiekonzept eingebettet sein, das Ernährungsberatung und Bewegungstherapie einschließt.
Wichtige Nebenwirkungen können gastrointestinale Beschwerden bei Orlistat oder Übelkeit bei Liraglutid umfassen. Kontraindikationen müssen individuell geprüft werden. Die Therapiedauer richtet sich nach dem Behandlungserfolg, wobei regelmäßige ärztliche Kontrollen zur Überprüfung der Wirksamkeit und Verträglichkeit unerlässlich sind.
Neben verschreibungspflichtigen Medikamenten bietet der deutsche Apothekenmarkt verschiedene rezeptfreie Präparate zur Unterstützung der Gewichtsreduktion an. Diese können als ergänzende Maßnahme zu einer ausgewogenen Ernährung und körperlicher Aktivität eingesetzt werden.
Ballaststoffpräparate können durch ihr Quellvermögen im Magen zu einem früheren Sättigungsgefühl beitragen. Grüntee-Extrakt enthält Catechine, die den Stoffwechsel unterstützen können, während Garcinia Cambogia traditionell zur Gewichtskontrolle verwendet wird.
Die wissenschaftliche Evidenz für rezeptfreie Präparate ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Wichtig ist die Beachtung von Sicherheitshinweisen: ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei Quellstoffen, mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und die Einhaltung der empfohlenen Dosierung. Eine pharmazeutische Beratung vor der Anwendung ist empfehlenswert.
Eine nachhaltige Gewichtsreduktion erfordert eine grundlegende Umstellung der Ernährungsgewohnheiten. Bewährte Ansätze umfassen kalorienreduzierte Mischkost, Low-Carb-Diäten oder die mediterrane Ernährung. Wichtig ist dabei eine ausgewogene Nährstoffzufuhr und realistische Zielsetzungen.
Regelmäßige körperliche Aktivität ist ein zentraler Baustein der Adipositas-Therapie. Bereits 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche können deutliche Verbesserungen bewirken. Geeignete Aktivitäten sind:
Die Verhaltenstherapie hilft dabei, problematische Essgewohnheiten zu erkennen und zu verändern. Techniken wie Selbstbeobachtung, Stimuluskontrolle und Stressmanagement unterstützen eine langfristige Gewichtskontrolle.
Bei schwerer Adipositas (BMI >40) können operative Eingriffe wie Magenband, Magenbypass oder Schlauchmagen-Operation in Erwägung gezogen werden. Diese Verfahren zeigen oft sehr gute Langzeitergebnisse, erfordern jedoch eine lebenslange Nachsorge.
Ein Arztbesuch ist ratsam bei einem BMI über 30, erfolgloser Gewichtsabnahme trotz eigener Bemühungen oder bei Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck. Auch psychische Belastungen durch das Übergewicht sind ein wichtiger Grund für professionelle Hilfe.
Zertifizierte Adipositas-Zentren bieten interdisziplinäre Behandlungskonzepte mit Ärzten, Ernährungsberatern, Psychologen und Physiotherapeuten. Diese Zentren sind auf die komplexen Bedürfnisse adipöser Patienten spezialisiert.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für:
Selbsthilfegruppen und qualifizierte Apotheken-Beratung ergänzen das professionelle Behandlungsangebot und unterstützen Betroffene bei der langfristigen Gewichtskontrolle.