Asthma ist eine chronische Atemwegserkrankung, die durch eine anhaltende Entzündung der Bronchien gekennzeichnet ist. Bei Betroffenen sind die Atemwege überempfindlich und reagieren auf verschiedene Reize mit einer Verengung, was zu den typischen Asthma-Beschwerden führt. Die Entstehung von Asthma ist meist multifaktoriell und kann sowohl genetische als auch umweltbedingte Ursachen haben.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Haupttypen: dem allergischen Asthma, das durch spezifische Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare ausgelöst wird, und dem nicht-allergischen Asthma, das oft durch Infekte, körperliche Anstrengung oder Stress entstehen kann.
Häufige Auslöser und Risikofaktoren für Asthma umfassen:
Die Symptome von Asthma können in ihrer Intensität stark variieren und treten häufig anfallsartig auf. Zu den charakteristischen Beschwerden gehören Atemnot, die besonders bei körperlicher Anstrengung oder in Ruhephasen auftreten kann, sowie ein trockener, oft hartnäckiger Husten. Viele Betroffene beschreiben außerdem ein Engegefühl in der Brust, als würde jemand ihre Brust zusammendrücken.
Pfeifende Atemgeräusche, medizinisch als Giemen bezeichnet, sind ein weiteres typisches Anzeichen für verengte Atemwege. Diese Geräusche sind oft beim Ausatmen hörbar und können sowohl für den Betroffenen als auch für Außenstehende wahrnehmbar sein. Besonders belastend sind für viele Patienten die nächtlichen Beschwerden, die zu Schlafstörungen und damit zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen können.
Sie sollten umgehend einen Arzt aufsuchen, wenn Sie wiederholt unter Atemnot leiden, anhaltenden Husten haben, der sich nicht bessert, oder wenn sich Ihre Beschwerden trotz der Einnahme von Bedarfsmedikamenten verschlechtern. Bei akuter, schwerer Atemnot oder wenn Ihre gewohnten Medikamente nicht mehr wirken, sollten Sie sofort den Notarzt rufen.
Bedarfsmedikamente, auch Reliever genannt, sind die erste Hilfe bei akuten Asthma-Beschwerden. Das am häufigsten verwendete Bedarfsmedikament ist Salbutamol, das als Dosieraerosol in verschiedenen Präparaten wie Sultanol oder Salbutamol-ratiopharm erhältlich ist. Diese Medikamente gehören zur Gruppe der kurzwirksamen Beta-2-Sympathomimetika und erweitern schnell die verengten Atemwege.
Die schnelle Wirkung von Salbutamol-Sprays tritt meist innerhalb weniger Minuten ein und kann bis zu vier Stunden anhalten. Sie wirken direkt an den glatten Muskelzellen der Bronchien und entspannen diese, wodurch sich die Atemwege erweitern und die Atmung erleichtert wird. Wichtig ist, dass Bedarfsmedikamente nur zur Behandlung akuter Symptome eingesetzt werden sollten und nicht zur Dauertherapie geeignet sind.
Die richtige Anwendung von Dosieraerosolen ist entscheidend für den Therapieerfolg. Vor der Anwendung sollten Sie das Spray schütteln, langsam und tief ausatmen, das Mundstück fest mit den Lippen umschließen und während des langsamen, tiefen Einatmens den Sprühstoß auslösen. Anschließend sollten Sie den Atem etwa 10 Sekunden anhalten, damit sich das Medikament optimal in den Atemwegen verteilen kann.
Controller-Medikamente bilden das Fundament der langfristigen Asthma-Behandlung und werden täglich angewendet, auch wenn keine akuten Beschwerden vorliegen. Inhalative Kortikoide wie Budesonid oder Beclometason sind die wichtigsten Medikamente in der Dauertherapie. Sie wirken entzündungshemmend und reduzieren die Überempfindlichkeit der Atemwege nachhaltig.
Kombinationspräparate haben sich in der modernen Asthma-Therapie bewährt, da sie sowohl entzündungshemmende als auch bronchienerweiternde Komponenten enthalten. Bekannte Präparate sind Symbicort (Budesonid/Formoterol), Foster (Beclometason/Formoterol) und Relvar (Fluticason/Vilanterol). Diese Kombinationen ermöglichen eine effektive Kontrolle der Asthma-Symptome mit nur einem Inhalator.
Langwirksame Bronchodilatatoren (LABA) wie Formoterol oder Salmeterol werden meist in Kombination mit inhalativen Kortikoiden verschrieben. Sie erweitern die Atemwege für 12 Stunden oder länger und verbessern so die Lungenfunktion nachhaltig. LABA sollten niemals als Monotherapie verwendet werden, sondern immer in Kombination mit entzündungshemmenden Medikamenten, um das Risiko schwerer Asthma-Anfälle zu vermeiden.
Für eine erfolgreiche Asthma-Behandlung stehen verschiedene Inhalationssysteme zur Verfügung. Dosieraerosole (MDI) sind die am häufigsten verwendeten Inhalatoren und können mit oder ohne Spacer eingesetzt werden. Der Spacer verbessert die Medikamentenverteilung in den Atemwegen erheblich. Pulverinhalatoren wie Turbohaler, Diskus oder Breezhaler bieten eine Alternative für Patienten, die Schwierigkeiten mit der Koordination haben. Diese Systeme setzen das Medikament beim Einatmen automatisch frei. Für schwere Asthma-Fälle oder bei akuten Anfällen kommen Vernebler zum Einsatz, die das Medikament in feinste Tröpfchen umwandeln.
Die korrekte Anwendung der Inhalatoren ist entscheidend für den Therapieerfolg. Eine schrittweise Anleitung umfasst:
Häufige Fehler wie zu schnelles Einatmen oder mangelnde Koordination können die Wirksamkeit stark reduzieren. Eine regelmäßige Überprüfung der Technik durch medizinisches Fachpersonal ist empfehlenswert.
Die Behandlung von Kindern mit Asthma erfordert spezielle Medikamente und angepasste Dosierungen entsprechend dem Körpergewicht und Alter. Inhalationshilfen sind für verschiedene Altersgruppen verfügbar: Spacer mit Gesichtsmasken für Kleinkinder unter 4 Jahren, Spacer mit Mundstück für ältere Kinder und jugendgerechte Pulverinhalatoren. Die Auswahl des geeigneten Systems hängt von der Entwicklung und den motorischen Fähigkeiten des Kindes ab. Regelmäßige Anpassungen der Therapie sind notwendig, da sich die Bedürfnisse mit dem Wachstum ändern.
Kinder mit Asthma können ein weitgehend normales Leben führen, einschließlich Schule, Sport und sozialer Aktivitäten. Ein individueller Notfallplan sollte folgende Punkte enthalten:
Die Langzeitprognose für Kinder mit Asthma ist in Deutschland sehr gut. Viele Kinder zeigen mit zunehmendem Alter eine Verbesserung der Symptome, und das normale Wachstum wird durch eine angemessene Behandlung nicht beeinträchtigt.
Ein schwerer Asthma-Anfall kann lebensbedrohlich werden und erfordert schnelles Handeln. Warnsignale sind starke Atemnot, bläuliche Verfärbung der Lippen oder Fingernägel, starker Husten ohne Schleim, Sprechen nur in einzelnen Wörtern möglich und ein Engegefühl in der Brust. Die Peak-Flow-Messung ist ein wichtiges Instrument zur Selbstkontrolle – Werte unter 50% des persönlichen Bestwertes deuten auf eine akute Verschlechterung hin. Ein Notarzt sollte sofort gerufen werden, wenn die Beschwerden trotz Notfallmedikation nicht nachlassen oder sich verschlechtern.
Bei schweren Asthma-Anfällen können Prednisolon-Tabletten die Entzündung schnell reduzieren. Notfallsprays mit kurzwirksamen Beta-2-Agonisten sollten nach dem vom Arzt erstellten Notfallplan dosiert werden. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ist es wichtig, Ruhe zu bewahren, den Betroffenen aufrecht hinzusetzen und für frische Luft zu sorgen. Enge Kleidung sollte gelockert und der Patient beruhigt werden.
Die Reduktion von Asthma-Auslösern in der Umgebung ist ein wesentlicher Baustein der Therapie. Hausstaubmilben lassen sich durch spezielle Bettwäsche, regelmäßiges Waschen bei 60°C und niedrige Luftfeuchtigkeit reduzieren. Pollenkontakt wird durch geschlossene Fenster während der Pollensaison und Pollenschutzgitter minimiert. Bei Tierhaarallergie sollten Haustiere gemieden werden. Ein optimales Raumklima mit 40-60% Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um 18-20°C unterstützt die Atemwege. Der Rauchstopp ist die wichtigste Einzelmaßnahme – sowohl aktives als auch passives Rauchen verschlechtert Asthma erheblich.
Unterstützende Maßnahmen können die medikamentöse Therapie sinnvoll ergänzen:
Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin D oder Magnesium können nach Rücksprache mit dem Arzt hilfreich sein. Wichtig ist die individuelle Abstimmung aller Maßnahmen auf den persönlichen Krankheitsverlauf.